Über den Freikirchlichen Friedhof

 

 

 

Ein besonderes Stück Geschichte wird auf dem "Freikirchlichen Friedhof" in Wuppertal-Elberfeld lebendig. Ist die Geschichte diese Friedhofs doch eng mit der Urgeschichte der Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland verwoben. Begonnen hat alles im Jahr 1855. Damals wird die erste und noch junge Freie evangelische Gemeinde vom Wuppertaler Polizeidirektorium aufgefordert, einen eigenen Begräbnisplatz zu errichten. Hintergrund ist die Tatsache, dass sich damals alle Friedhöfe noch in kirchlicher Trägerschaft befinden. Der Gründer der Gemeinde, der Fabrikant Hermann Heinrich Grafe, erwirbt daraufhin ein Gelände am heutigen Platz der Republik. Grafe stellt diesen Friedhof seiner Gemeinde und der benachbarten Baptistengemeinde zu Verfügung. Das Gelände mit seinen 2000 Quadratmetern und Raum für rund 400 Gräber wird durch einen Zaun, später durch eine Mauer umgrenzt. Für die Verwaltung wird ein Mitglied der Gemeinde namens Wülfing gefunden. 1925 errichtet die Stadt als Ausgleich für ein für den Straßenbau einbezogenes Grundstück eine Friedhofskapelle. Heute ist der Friedhof allemal einen Besuch wert. Von Häuserfassaden lückenlos umschlossen, liegen hier immer noch die Gräber der Gründergeneration der Freien evangelischen Gemeinde. Halbverwitterte Grabtafeln erinnern an Frauen und Männer, die im Glauben aus der Volkskirche austragen und sich als Freie evangelische Gemeinde neu formierten. An das Presbyterium der Reformierte Kirche schriebe Grafe 1854: "Wir bitten Sie, unseren Austritt aus der Volkskirche als Akt des Gewissens anzusehen und nicht den Ausdruck bloßer Opposition."

 

In der so genannten "Ehrenreihe" befinden sich neben den Tafeln des Ehepaars Grafe u. a. die von Richard Zinn, Wilhelm Bartel, Werner Schnepper und Friedrich Koch. Als Älteste und Pastoren sind sie mit ihren Ehefrauen aus der Geschichte der Gemeinde nicht wegzudenken. Auch das Grab der ersten Missionarin Maria Hardenberg ist erhalten. Sie war es, die als erste Missionarin mit der Allianz- Mission nach dem Zeiten Weltkrieg wieder nach China ausreiste.

Insgesamt sind gegenwärtig 200 Gräber des Friedhofs belegt, allerdings nur noch ein Bruchteil von verstorbenen Mitgliedern der Freien evangelischen Gemeinde. "Für die meisten unserer Mitglieder" erklärt Karl Bärwaldt, Ältester der Feg Wuppertal-Barmen, "ist dieser Friedhof heute einfach zu weit entfernt." Und Karl Diettmar, Archivar der Gemeinde, ergänzt: "Gerne möchten wir deshalb den Friedhof ganz in die Trägerschaft der Baptisten-Gemeinden überführen. Die Rechte für alle Gräber unserer ehemaligen Mitglieder bleiben davon aber unberührt."

Wie die Geschichte des "Freikirchlichen Friedhofs in Wuppertal auch weitergehen wird, unberührt bleiben die Erinnerungen an die erste Zeit der Freien evangelischen Gemeinden.

 

Arndt Schnepper - Christsein heute 24/2002

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