Was sind Baptisten und warum nennen wir uns Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde?

Für unsere Gemeindebewegung hat sich weltweit die Bezeichnung "Baptisten" eingebürgert (engl./griech. "Baptist": "Täufer"/"untertauchen"). In Deutschland ist es anders. 1941 hat sich der Bund der Baptistengemeinden mit den theologisch verwandten "Brüdergemeinden" zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zusammengeschlossen.
Die Zusammenarbeit hat sich bewährt, und der Name wurde beibehalten. Etwa 90 Prozent der 86.500 Mitglieder in rund 860 Gemeinden (und Zweiggemeinden) unserer Gemeindebewegung sind Baptisten, die übrigen Angehörige der Brüderbewegung.

Der BEFG gehört zur Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und zum Baptistischen Weltbund (BWA), der mit 43 Millionen Mitgliedern und 100 Millionen Angehörigen größten protestantischen Kirche weltweit. Der BEFG bildet die größte evangelische Freikirche in Deutschland.
Aber es gibt darüber hinaus auch Baptisten- und Brüdergemeinden, die dem BEFG nicht angehören.

Was ist eine Freikirche?

Freikirchlich hat in unserem Gemeindebund eine vielfache Zielrichtung:

Wir sind weder historisch noch rechtlich mit dem Staat verbunden. Wir treten für eine strikte Trennung von Kirche und Staat ein. Was jetzt allerdings nicht bedeutet, das wir den Staat ganz ablehnen. Wo wir allerdings Leistungen für die Gesellschaft erbringen - in Kindergärten, Krankenhäusern, Altenheimen, u.ä. - werden uns diese Kosten von der öffentlichen Hand zum größten Teil erstattet.

Aber auch die Mitgliedschaft in einer Gemeinde wird freiwillig eingegangen. An Jesus Christus gläubig gewordene Menschen, die getauft wurden, können beitreten. Wie in allen anderen Kirchen wird in unserem Bund ausschließlich die Bibel als Grundlage des Glaubens anerkannt. Deshalb dürfen Freikirchen keineswegs mit Sekten verwechselt werden.

Worin unterschieden sich Baptisten von anderen Kirchen?

Die Baptisten unterscheiden sich von anderen (Landes-) Kirchen durch ihre Taufpraxis und ihr Gemeindeverständnis.

Die Gemeinden sind relativ überschaubar, da sie nur aus getauften Mitgliedern bestehen. Dadurch entsteht oft eine familiäre Atmosphäre.

Die Gottesdienste sind offen für Gäste. Einzelne Gemeinde bieten sogar besondere Gottesdienste für Kirchendistanzierte an. Diese Veranstaltungen zeichnen sich aus durch moderne Musik, lebensbezogene Predigten, kleine Theaterstücke und ähnliches. Viele dieser Elemente sind aber auch in "normalen" Sonntagsgottesdiensten üblich geworden.

Was glauben Baptisten?

Die Baptisten sind evangelische Christen, die sich allein auf die Bibel als Grundlage ihres Glaubens berufen.

Sie verbindet untereinander und mit Christen anderer Konfessionen der persönliche Glaube an Jesus Christus. Die Gemeindemitglieder vertrauen darauf, daß Gott sie durch den Heiligen Geist zum rechten Verstehen der Bibel und zum Tun seines Willens leitet. Sie versuchen, in ihrem persönlichen Leben Christus nachzufolgen und die Liebe Gottes in dieser Welt erfahrbar zu machen.

Baptisten legen Wert auf die Gemeinde, weil sie die Überzeugung teilen, dass Christen einander auf dem Weg des Glaubens helfen und miteinander den Menschen dienen sollten.

Wie andere Freikirchen auch legen die Baptisten Wert auf eine bewußte und mündige Glaubensentscheidung als Grundlage für eine Gemeindemitgliedschaft. Von Getauften wird erwartet, dass sie sich mit ihren Gaben und Möglichkeiten in die Gemeinde einbringen und gemeinsam mit anderen Christen die Liebe Gottes für alle Menschen erfahrbar machen.

Der Baptismus waren von Anfang an eine Bibelbewegung. Die Sonntagschulen/Kindergottesdienste haben das Ziel, den Kindern biblische Geschichten nahezubringen. Ähnliches gilt für die Bibelstunden der Erwachsenen und die Hauskreise. Im Gottesdienst steht die Predigt anhand eines Bibeltextes im Mittelpunkt. Die Auslegung der Bibel soll die Gläubigen dazu führen, ihr Leben nach den Maßstäben Gottes auszurichten.

Die Glaubenstaufe gab den Baptisten ihren Namen. Trotzdem ist die Taufe nicht das Wichtigste in der Gemeinde und sie ist nicht gleichbedeutend mit der Bekehrung. Vielmehr geht bei Baptisten der Glaube der Taufe voraus. Eine Säuglingstaufe wird bei den Baptisten abgelehnt.

Stimmt es, dass es im Bund keine Kirchensteuern gibt?

Ja. Das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat führt dazu, dass der Bund keine Kirchensteuern erhebt - obwohl er als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) dies könnte.

Stattdessen werden alle Kosten durch freiwillige Mitgliederbeiträge und Spenden bestritten. Die Gemeinden bezahlen auch ihre Pastoren selbst. Die einzelnen Gemeinden sind gegenüber dem Bund eigenständig. Sie finanzieren und verwalten sich selbst.

Das durchschnittliche jährliche Spendenaufkommen liegt im gesamten Bund bei rund 70 Millionen Euro. Mitglieder spenden also in der Regel wesentlich mehr als ihre Kirchensteuer betragen würde. Was man liebt, das kommt zuerst. Viele Mitglieder geben deshalb den sogenannten "Zehnten", also den zehnten Teil ihres Einkommens.

Warum trägt der Pastor/die Pastorin keinen Talar?

Wer darf in der Gemeinde was machen?

Die Gemeinden unseres Bundes orientieren sich an den ersten frühchristlichen Gemeinden, über die die Bibel berichtet. Wer sich zu Jesus Christus bekannte, konnte in dieser Gemeinschaft mitarbeiten. Diesem auch als "allgemeines Priestertum aller Gläubigen" benannten Prinzip weiß sich der Bund verpflichtet. Es gibt deshalb, nach baptistischem Verständnis, keine Aufgabe und kirchliche Handlung, die allein besonderen Amtsträgern vorbehalten wäre. Auch an der Gottesdienstgestaltung - bis hin zur Predigt - sind Laien beteiligt. Manche Gemeindemitglieder wissen sich von Gott in den hauptamtlichen Dienst berufen. Sie studieren Theologie und arbeiten dann als Patorinnen oder Pastoren. Dabei tragen sie jedoch meist keine besondere Amtstracht, etwa einen Talar, wie in anderen Kirchen. Dadurch zeigen sie: Jeder ist von Gott zum Dienst in der Gemeinde berufen. Eine Ausnahme dieser "Talarregel" bilden Taufen und Beerdigungen.

Warum werden keine Säuglinge getauft?

Die Gemeinden in unserem Bund orientieren sich an der Bibel. Immer wenn die Heilige Schrift von einer Taufe berichtet, sind die Menschen zuvor an Jesus Christus gläubig geworden. Erst der Glaube, dann die Taufe, dann die Gemeindemitgliedschaft - dies ist nach unserer Überzeugung die richtige biblische Reihenfolge. Die Kindertaufe wird deshalb nicht praktiziert. Wer dennoch an der Gültigkeit seiner Kindertaufe festhält, ist in unseren Gemeinden als Freund oder Freundin gerne gesehen.

Wie ist es mit dem Kontakt zu anderen Kirchen?

Der BEFG unterhält freundschaftliche Kontakte zu fast allen christlichen Kirchen in Deutschland und gehört zu den Wegbereitern der Ökumene in Deutschland.

So ist er Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).
Enge Kontakte gibt es im evangelischen Bereich auch zur evangelischen Landeskirche (EKD) und ihren Gliedkirchen.
Darüber hinaus engagiert der Bund sich in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), in der die meisten Freikirchen in Deutschland zusammengeschlossen sind (seit 1926).
Gute Kontakte gibt es auch zur Deutschen Evangelischen Allianz und der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation/Deutscher Zweig.
Auch in überkonfessionellen Initiativen arbeiten Baptisten verantwortlich mit, etwa bei ProChrist, der Willow-Creek-Bewegung und beim "Jahr der Bibel".

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